Pressebericht in der "Badische Zeitung" vom 16.10.2011

 

Reise auf der Orgel durch Licht und Dunkelheit

Bruder Andreas Warler besticht in seinem Orgelkonzert mit einer dramaturgisch und technisch bestechenden Interpretation verschiedener Werke.



Einer der Schwerpunkte beim Orgelkonzert Bruder Andreas Warlers SDS lag auf der theologischen Betrachtungsweise des Themas "Licht". Foto: Hrvoje Miloslavic

BAD SÄCKINGEN. "Die Dunkle Jahreszeit lädt zur inneren Einkehr ein." Die einleitenden Worte, mit denen Dekan Peter Berg am Samstagabend das Publikum im Bad Säckinger Münster zu einem denkwürdigen Orgelkonzert willkommen hieß, galten nicht nur der seelsorgerischen Mahnung.

Mit dem Hinweis auf den Kontrast von Licht und Finsternis, in dem stets auch der archetypische Konflikt zwischen dem Guten und Bösen zum Ausdruck komme, gab Dekan Berg gleichzeitig eine inhaltliche Einführung in das Konzertprogramm, das der renommierte Organist Bruder Andreas Warler SDS an diesem Abend auch der spirituell-religiösen Dimension der Bedeutung von "Licht" widmen sollte.

Die rein rationale Betrachtung von Licht, als einem physikalischen optischen Phänomen, das, als Reiz aufgenommen, dem menschlichen Gehirn zur Verarbeitung und Interpretation weitergeleitet wird, spielt für den Theologen Warler naturgemäß eine untergeordnete Rolle. Schon im einleitenden "Lumina" des zeitgenössischen belgischen Komponisten Firmin Decerf zeigte Bruder Warler in beeindruckend virtuoser Weise, in welch unterschiedlicher Facettierung die Wirkung des Lichts ihre akustische Entsprechung in musikalischen Klangmustermustern finden kann. Das Ringen von kontrastierenden Piano- und Fortepassagen symbolisieren gleißende Helligkeit und bedrohliches Dunkel, das durch die durchdachte Registrierung eine zusätzliche Intensivierung erfährt. Eingebettet in chromatische Melodieführungen steigern sich die Hell und Dunkel symbolisierenden Quint- und Quartsprünge zu einer konfliktgeladene Schräge, durch die sich der Zuhörer an die meditative anmutenden Klangskalen eines Olivier Messiaen erinnert fühlt. Noch beim vorletzten Akkord scheint ungewiss bleiben zu wollen, welcher der Antagonisten die Oberhand behält, ehe sich der klangliche Konflikt in dem einzig im Stück vorkommenden Dur-Schlussakkord auflöst.

Der innere Konflikt des Menschen, der in seiner Not Gott anruft, spielt in Felix Mendelssohn Bartholdys Sonate III in A-Dur eine zentrale Rolle. In dichten Klangfarben schraubt sich im "Con moto majestoso" der Choralruf "Aus tiefster Not schreie ich zu Dir" zu einer immer aggressiver werdenden Verzweiflung empor. Im folgenden "Andante tranquillo" stimmt die endlich erlöste Seele Gott ein Danklied an.

Bei der Auswahl seines Programms habe er sich ganz von der Orgel leiten lassen, verrät Bruder Warler nach dem Konzert. "Eines der schönsten Instrumente, die ich je gespielt habe", so sein anerkennendes Lob für ein Instrument, auf dessen klangliche Gestaltung Bezirkskantor Michael Felix entscheidend Einfluss genommen hat. Gerade bei der Mendelssohn-Sonate habe ihn das Instrument sehr positiv überrascht. Dass eine Klais-Orgel von Haus aus eher der barocken Orgelmusik entgegenkommt, war auch bei bei César Francks Fantasie in C-Dur, dem Cantabile in H-Dur sowie Jehan Alains Variations sur Lucis Creator kaum zu bemerken. Tänze aus der Renaissance-Zeit und sechs Variationen über ein Thema Arcangelo Corellis von Johann Rinck komplettierten einen begeisternden Konzertabend. Für den verdienten großen Applaus bedankte sich Bruder Warler mit einer beeindruckenden Improvisation, in der der Organist den Choral "Ein Haus voll Gloria schauet" verarbeitete.

 

   zurück