Pressebericht des "Morgunbladid" vom 21.06.2006

 

Übersetzung (Erla Erlín Hansdottír):

Ein spielender Mönch


Br. Andreas Warler spielte Musik von Damjakob
, Phalese, Schmid, Bach, Ruppe, Mendelssohn, Claussmann, Decerf, Ingenhoven, Warler und Fletcher.
So
nntag, 18. Juni.
Als ich das letzte Mal meine 8j
ährige Tochter fragte, was sie einmal werden möchte, antwortete sie, dass sie Nonne werden will. Als ich sie fragte, warum, hat sie mir erzählt, weil Nonnen so viele Tiere haben. Ich verstehe immer noch nicht, wie sie Nonnen mit Tieren verbindet, aber vielleicht ist es nicht weit hergeholt, als dass ein Mönch Orgel spielt und CDs produziert.
Man h
ätte gedacht, dass das Musizieren der Mönche im ruhigem, meditativen gregorianischen Gesang liegt. Wenn sie nicht musizieren, pflegen sie dennoch das Gebet und die Meditation genauso wie die Nonnen.
Aber nicht wirklich: Am Sonntag Abend war ein spielender Mönch in der Hallgrimskirkja, der mehrere CDs eingespielt hat. Das war Br. Andreas Warler, und wenn jemand den Gedanken hat, dass er im Ordensgewand gespielt haette, muss das korrigiert werden: Warler hatte einen gewöhnlichen Anzug an und es war nichts speziell mönchisches an ihm und er spielte lebendig, fröhlich auf der gigantischen Orgel der Kirche – es war kein „Mönchsgesang“ zu hören.
Warler begann energisch mit der gigantischen und kr
äftigen Fanfare von Damjakob. Danach kam ein buntes Programm mit Werken alter Größen wie Bach und Mendelssohn aber auch weniger bekannter Komponisten wie Decerf (geb. 1942).
„Lumina“ von Decerf war das interessanteste Werk im Programm, eine Art von Meditation
über die Bedeutung des Lichtes. Typisch für die Musik waren schnelle und scharfe Kontraste von Licht und Schatten, die eine tief gehende Spannung erzeugten, und Warler hat diesen Kampf besonders fachmännisch interpretiert. Niemals gab es einen toten Punkt in seiner Interpretation und der Verlauf der Musik war sehr eindrucksvoll.
Vielleicht könnte man Warler kritisieren, dass er hin und wieder
ähnliche Registrierung benutzte. Die Passacaglia von Bach war zu monoton registriert. Ich hatte den Eindruck, dass er ein bisschen mehr Zeit an der Orgel hätte haben sollen. Die Balance zwischen verschiedenen Stimmen hätte besser sein können, ab und zu waren die hohen Stimmen schreiend, aber die tiefen ohne Farbe. Dies verursachte einen oberflächlichen Gesamtklang. Warlers Interpretation war dennoch energisch und das Fingerspiel meistens klar, deutlich war zu hoeren, dass eine tiefe Kenntnis dahinter stand.
Hervorgehoben werden muss die Improvisation, die fabelhaft war. Modern mit am
üsierenden frohen mittelalterilichem Unterton. Hoffentlich kann man den Mönchen hier öfter spielen hören.

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